Transplantforum OÖ: Schulprojekt feiert seinen Hunderter

Ein Gastkommentar von Hubert Kehrer

Als ich im März 2009 die Kontaktpersonen der OÖ. Selbsthilfeorganisationen, die Menschen betreuen, die auf einer der Wartelisten Österreichs auf ein Spenderorgan warten, bereits transplantiert sind oder auf die Dialyse angewiesen sind, zu einem Treffen ins Gasthaus Landwiedplatzl im Volkshaus Keferfeld eingeladen habe, konnte ich noch nicht ahnen, dass dieses Treffen die Geburtsstunde des Transplantforums OÖ werden sollte. Mit dabei war auch mit  Prim. Univ.-Prof. Dr. Udo Illievich der damalige ärztliche Leiter der Landesnervenklinik Wagner Jauregg, heute Neuromed Campus, und Transplantationsreferent von Oberösterreich. Ihn als Partner für unser Transplantforum zu gewinnen war ein großer Glücksgriff, wie wir heute wissen. Er war von Beginn an von unseren geplanten Aktivitäten überzeugt und hat sie bis heute tatkräftig unterstützt.
Anlass dieses historischen Treffens war das Ergebnis einer Befragung in der Linzer Innenstadt im Rahmen eines Symposiums zum Thema Organspende und Transplantation in der Linzer Lederfabrik.

Wir haben damals bei unserem Informationsstand im Eingangsbereich des Passage Kaufhauses ca. 500 Personen eine einzige Frage gestellt: „Können sie uns sagen, wie in Österreich die Organspende und Organtransplantation gesetzlich geregelt ist?“ Das Ergebnis war für mich ein „Schock“ und hat mich lange Zeit danach immer wieder beschäftigt. Nur drei Personen konnten diese Frage richtig beantworten.
Bei unserem Treffen versuchten wir das Ergebnis zu analysieren. Uns war schnell klar. Das Thema Organspende und Transplantation war ein Tabu-Thema, worüber man bis heute nicht gerne redet.

Darüber hinaus war und ist der Wissenstand über diese so wichtige Thematik in der Bevölkerung sehr gering. Wir machten uns Gedanken, was wir mit unseren Selbsthilfeorganisationen tun könnten, das zu ändern.  Als Leiter der SHG für Leberkranke und Lebertransplantierte OÖ habe ich mich seit 2004 intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt.  Als ehemaliger Biologie-Lehrer machte ich den Vorschlag, eine Aufklärungsaktion in den OÖ. Schulen zu starten.  Die Geburtsstunde des  Schulprojekts „Organspende und Transplantation – Let´s talk about!“
Mit LH Dr. Josef Pühringer, Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz und Landesschulratspräsident HR Fritz Enzenhofer konnten wir drei prominente Persönlichkeiten für die Patronanz gewinnen. Im vergangenen Jahr kam noch der neue Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer dazu.

Wir einigten uns auf drei Zielgruppen: Die Schulen der 16 – 20jährigen (AHS-Oberstufe, BHS), die Gesundheits- und Krankenpflegeschulen und die OÖ. Krankenhäuser. Ein Jahr lang entwickelten wir das Konzept für unsere Vorträge.  Unser Ziel: „Oberösterreich soll sich in den verschiedenen Lebensbereichen (Schule, Ausbildung, Arbeitswelt, Freundeskreis) mit diesem Thema auseinandersetzen!“ Vor allem wollen wir erreichen, dass in den Familien darüber gesprochen und diskutiert wird.  Unser Traum:  „Ausweitung des Projekts auf alle Bundesländer“. Mit der Gründung des Transplantforums Salzburg im Juni 2015 haben wir dazu schon den nächsten Schritt gemacht. Das Motto unserer Vorträge lautet bis heute „Informieren & Berühren“.
Wir wollten von Beginn an die Menschen informieren und berühren. Schwerpunkt des Info-Teils ist das Thema Hirntod und die Widerspruchsregelung, wie sie in der Praxis gelebt wird. Diesen Part übernahm Univ.-Prof. Dr. Udo Illievich, der bei fast allen Veranstaltungen dabei war und mit seinem einstündigen faszinierenden Referat die Zuhörer gefesselt hat. Der zweite Teil ist mit den berührenden persönlichen Geschichten von 2 Transplantierten der emotionale Höhepunkt der Veranstaltung. Im Schuljahr 2010/11 haben wir das in Österreich einzigartige Projekt gestartet. Mit Unterstützung des OÖ. Landesschulrates informierten wir die Schulen. Das Interesse war von Beginn an sehr groß, die Rückmeldungen sehr positiv. Darüber hinaus nutzten wir verschiedene Veranstaltungen, um unser Projekt vorzustellen und über das Thema zu informieren. Den ersten Vortrag hielten wir in der HAK Steyr.  Dieser Vortrag war der Anlass für 4 Schüler, sich im Rahmen der vorwissenschaftlichen Arbeit für die Matura sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Das Ergebnis war unter anderem unsere Website, die sich bis heute zu einer wichtigen Plattform nicht nur im deutschsprachigen Raum entwickelt hat. Auch auf Facebook sind wir mittlerweile mit einer eigenen Seite vertreten. Die Öffentlichkeitsarbeit ist mir ein ganz besonderes Anliegen.
Sehr stolz sind wir alle vor allem auf die beiden Auszeichnungen. 2012 wurde unser Schulprojekt von der Stadt Linz mit dem Gesundheitspreis ausgezeichnet. 2015 folgte der Vereinspreis der  OÖ. Vereinsakademie in der Kategorie Soziales Engagement. 2016 wurde es mit einer Anerkennungsurkunde des Roten Kreuzes Oberösterreich gewürdigt.
Im Februar 2012 organisierten wir gemeinsam mit dem Pädagogischen Institut, der Nervenklinik WJ und dem Krankenhaus der Elisabethinen eine eintägige Fortbildungsveranstaltung für Biologielehrer, die mit 50 Teilnehmern aus ganz OÖ sehr gut besucht war. Für 2018 bereiten wir schone eine Fortbildungsveranstaltung für Religions- und EthiklehrerInnen vor.

Der Hunderter – ein ganz besonderes Jubiläum

Am 25.Jänner 2017 feierten wir mit unserem Vortrag im BG/BRG Wels-Brucknerstraße unseren 100er. Für uns alle ein ganz besonderes Ereignis. Bei mir kommt dazu, dass ich hier viele Jahre die Schulbank gedrückt, 1973 hier maturiert habe und schon bei der Schuleröffnung im Herbst 1967 dabei war.Mittlerweile umfasst unser Team 17 Personen: 2 Ärzte, 14 Transplantierte und meine Wenigkeit.

Anlässlich des Hunderters möchte ich mich auf diesem Weg bei jeder/jedem einzelnen von euch bedanken, die / der von Beginn an mich unterstützt und wesentlich zum Erfolg beigetragen hat. Mein ganz besonderer Dank gilt Univ.-Prof. Dr. Udo Illievich, der von Beginn gemeinsam mit seiner Sekretärin Frau Gerda Kraska mit viel Herzblut unser Schulprojekt begleitet. Weiters möchte ich mich bei Rudolf Brettbacher bedanken. Als Obmann der Arge Niere Österreich hat er sich mit seiner Organisation bereit erklärt, die Ausweitung unseres Projekts auf die restlichen Bundesländer gemeinsam mit mir zu übernehmen.

Mein persönliches Resümee
Das Schulprojekt ist für mich persönlich zu einer Herzensangelegenheit geworden. Es ist und war mit viel Arbeit und Zeit verbunden. Motivation für mich sind die vielen positiven Rückmeldungen, die interessanten Diskussionen und Gespräche im Anschluss an die Veranstaltungen, das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien. Vor allem aber habe ich mit euch Freunde fürs Leben gefunden. Gemeinsam haben wir schon viel erreicht, worauf wir alles sehr stolz sein können. Aber wir sind noch lange nicht am Ende des Weges angekommen.
Wer mehr über unser Forum und unsere Aktivitäten wissen möchte, den lade ich zum Besuch unserer Website ein: http://www.transplantforum-ooe.at/