Univ.Prof. Dr. Gert Mayer: EIN RÜCKBLICK

Liebe Leserinnen und Leser von Nephro Tirol !

Univ.Prof. Dr. Gert Mayer, Direktor Innere Medizin IV, Klinik Innsbruck
Univ.Prof. Dr. Gert Mayer, Direktor Innere Medizin IV, Klinik Innsbruck

Zwischen 1980 und 1990 wurde beschlossen die Innere Medizin am Landeskrankenhaus Innsbruck / der Medizinischen Universität Innsbruck zu strukturieren. Zwar hatten sich in dieser großen Klinik schon damals Schwerpunkte gebildet, man gelangte jedoch zur Ansicht, dass sich diese als eigenständige Einheiten besser entwickeln würden. Dieser Prozess, der in Innsbruck nicht nur Befürworter fand, wurde gegen manchen Widerstand in einem folglich doch relativ langwierigen Verfahren umgesetzt. So entstanden die Kardiologie, die Gastroenterologie und Hepatologie und die Hämatologie. Durch die exzellente Arbeit von Professor Paul König und Dozent Karl Lhotta war auch die Voraussetzung gegeben eine Nephrologie zu gründen. Die Berufung eines Leiters erwies sich als schwierig, erst nach einer zweiten Ausschreibung wurde am 1.5.1999 die damalige Klinische Abteilung für Nephrologie aus der Taufe gehoben. Nachdem wir die letzte der neuen Abteilungen waren und die zur Verfügung stehenden Mittel auch schon damals nicht unbegrenzt waren, standen uns auch nur mehr wenige Ressourcen zur Verfügung.

Die Bettenstation für 15 Patienten wurde im Südtrakt des Gebäudes der Inneren Medizin neben der Dialysestation im 4. Stock untergebracht, die Station wurde gemeinsam mit einem Teil der damaligen Abteilung für Allgemeine Innere Medizin betrieben. Die Ambulanz befand sich in jenen Räumen, die wir noch jetzt zur Verfügung haben, allerdings gemeinsam mit der endokrinologischen Ambulanz. Das nephrologische Ärzte- und Pflegeteam mussten sich erst finden und eine eigene Identität entwickeln, von Beginn an war der Bettenmangel ein dominierendes Problem. Bei all unseren Bemühungen dies zu verändern wurden wir darauf verwiesen, dass eine abermalige Umstrukturierung der Inneren Medizin aufgrund des neuen, im Jahr 2002 beschlossenen Universitätsgesetzes bevorstehe und diese abgewartet werden müsse. Die prekäre Situation veränderte sich auch nicht, als die Bettenstation in den Nordtrakt des 4. Stocks der Inneren Medizin übersiedelte. Da die Einheit aber nun nur mehr von der Nephrologie betrieben wurde, gelang es immer besser eine „corporate identity“ zu entwickeln, Pflege-, Administrations- und Ärztepersonal wurden durch die schwierige Lage zu einer fest verbundenen Einheit, die es erlaubte auch so manches Gewitter zu überstehen, der über uns hinweg zog.

Eine ganz entscheidende Wende für die Abteilung war, als sich der Patientenverein zu Wort meldete. Ich erinnere mich noch sehr gut an das Echo, welches ein Bericht in „Tirol Heute“ auslöste. Herr Saurer hatte darin klare Worte gefunden und ich kann nur betonen, wie wichtig es ist, dass bestimmte Anliegen auch von Patienten unmissverständlich formuliert und dann auch an die Entscheidungsträger herangebracht werden. Trotzdem dauerte es noch eine relativ lange Zeit bis die Strukturdiskussion an der Inneren Medizin abgeschlossen werden konnte. Letztendlich ist es gelungen aus der Klinischen Abteilung die Universitätsklinik für Innere Medizin IV mit den Schwerpunkten Nephrologie und Hypertensiologie zu entwickeln. Als diese Entscheidung getroffen war, wurde auch die Dialysestation neu errichtet. Da klar war, dass der Südtrakt der Inneren Medizin neu gebaut werden sollte, musste ein neuer Standort gefunden werden. Die Bettenstation (damals noch immer mit 15 Betten und einer Auslastung von meist über 100%) übersiedelte in die Frauen- und Kopfklinik, die Dialysestation wurde in den freiwerdenden Räumen errichtet. Ich kann heute noch sagen, dass es sich um eine der modernsten und besten Dialysestation Österreichs (und wahrscheinlich Europas) handelt. Das Leistungsspektrum, welchen angeboten wird (Hämodialyse, Peritonealdialyse, Plasmapherese, Immunadsorption etc), die Infrastruktur (papierlose Krankenakte, Raumkühlsystem etc.) aber auch die extreme Motivation des Personals haben es erlaubt, ein absolutes Schmuckstück entstehen zu lassen.

Am 1.12.2012 ist dann die Bettenstation in das Medizinzentrum Anichstrasse übersiedelt. Nun stehen endlich auch hier ausreichend Kapazitäten zur Verfügung (derzeit 26 Betten, im Endausbau nach Absiedelung der Kardiologie in das Kinder-Herzzentrum werden es 28 sein). Die Umstellung auf diesen „größeren Betrieb“ ist den ÄrztInnen und der Pflege nicht leicht gefallen, wir haben doch einige Monate gebraucht um dies zu verkraften. Ich hoffe sehr, dass die PatientInnen auch in dieser Zeit aber mit unserer Leistung zufrieden waren. Die Station ist modern und verfügt über ein 4, aber ansonsten nur 2 Bettzimmer, der Komfort (z.B. Medien oder Nasszellen) entspricht dem heutigen Standard.
Ich glaube, dass nun sowohl die Betten- als auch die Dialysestation über eine Infrastruktur verfügen, die es uns ermöglichen wird in den kommenden Jahren unsere Aufgabe, die Versorgung von PatientInnen mit Nieren- und Hochdruckkrankheiten, optimal zu erfüllen.

Die Ambulanz befindet sich seit der Trennung von der Endkrinologie nach wie vor am selben Ort, allerdings wurden die Räume adaptiert und mehr Platz geschaffen. Im Neubau des Südtraktes der Inneren Medizin ist vorgesehen, die Ambulanzen der Inneren Medizin wieder räumlich zusammenzuführen, auch hier wird aber in den Planungen auf unsere Wünsche Rücksicht genommen sodass ich davon überzeugt bin, dass wir in einigen Jahren in eine wirklich sehr gute Infrastruktur übersiedeln werden.

Nachdem die Klinik eine Universitätsklinik ist, wird auch der Forschung eine große Bedeutung beigemessen. In den letzten Jahren ist es uns gelungen im Bereich der Drittmitteleinwerbung und der Publikationen innerhalb der Medizinischen Universität eine absolute Spitzenstellung zu erreichen. Diese Leistung trägt nun dazu bei, dass auch die Forschungslabore der Klinik nach Abriss des Südtraktes in sehr schöne Räumlichkeiten übersiedeln.

Wenn ich an die letzten 14 Jahre zurückdenke und sehe, wie sich unser Fach und die Klinik entwickelt haben, kann ich mir einen gewissen Stolz nicht verkneifen. Wir (und damit meine ich wirklich alle) waren immer fleißig und motiviert; trotzdem hatten wir einige Male einfach nur Glück oder fanden die richtigen Fürsprecher (hier kann ich Prof. Pachinger nicht unerwähnt lassen) und Mitstreiter (wie z.B. Nephro Tirol). Letztendlich wurde aus einem schwachen Pflänzchen, welches um das Überleben kämpfen musste, ein starker Baum mit guten Wurzeln. Zu diesen Wurzeln zählt sicherlich die Pflege, die durch Dick und Dünn gegangen ist und ohne (lautes) Murren viele Unannehmlichkeiten ertragen hat (übergroße Auslastung, oftmalige Übersiedelung etc.). Die ärztlichen KollegInnen haben mit enormem Enthusiasmus das Wachstum und den fachlichen Fortschritt vorangetrieben und Stillstand nicht zugelassen. Gabriele Schratzberger wurde Oberärztin in Salzburg, Henrik Koller Departmentleiter bei den Elisabethinen in Linz. Karl Lhotta arbeitet nun als Primarius in Feldkirch, Alexander Rosenkranz übernahm die Professur für Nephrologie an der Universität Graz und Kathrin Eller hat ihn in die Steiermark begleitet.

Ich glaube sagen zu können, dass niemand Innsbruck verlassen hat, weil sie/er hier unglücklich war. Es zählt zu den Aufgaben einer Universitätsklinik Spitzenpositionen zu besetzen, alle vorher genannten KollegInnen halten indirekt damit auch die Fahne der Innsbrucker Nephrologie hoch. Trotzdem haben sie natürlich Lücken hinterlassen, immer wieder mussten diejenigen, die in Innsbruck geblieben sind, diese durch vermehrten Einsatz schließen. Dabei haben das Verwaltungspersonal und die Sekretariate tatkräftig mitgeholfen. Es ist klar, dass es gerade in Phasen großer Belastung auch zu Unstimmigkeiten gekommen ist; Ruhepole, wie Prof. König, haben aber hier immer wieder die Wogen geglättet. Wir hoffen sehr, dass auch unsere Kunden, also die PatientInnen, mit unseren Leistungen zufrieden waren und sind. Zumindest die Ergebnisse der Befragungen zeigen uns, dass unser Bemühen anerkannt wird.
Trotz all dieser Entwicklungen ist es nicht möglich, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Die Umwälzungen im Bereich der Gesundheitsversorgung, die bevorstehen werden auch vor uns nicht Halt machen. Wenn wir allerdings weiter als Team agieren gibt es keinen Grund zur Angst, das beiliegende Foto zeigt uns bei der letzten Weihnachtsfeier. Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen natürlich, dass man mit uns möglichst wenig Kontakt hat. Sollten aber medizinsicher Rat und Hilfe gesucht werden stehen wir gerne mit Freude zur Verfügung. Es ist unserer aller wesentlichster Wunsch, dass Sie sich bei uns geborgen und gut versorgt fühlen. (VNT 13.5.2013)

Mit freundlichen Grüßen

Gert Mayer

(Gastkommentare sind frei und müssen sich nicht mit der Meinung des Vereinsvorstands decken)