Primar Univ. Doz. Dr. Karl Lhotta: Diabetes und Niere: Anlass zur Hoffnung?

Primar Univ. Doz. Dr. Karl Lhotta, Landeskrankenhaus Feldkirch

Primar Univ. Doz. Dr. Karl Lhotta, Landeskrankenhaus Feldkirch
Primar Univ. Doz. Dr. Karl Lhotta, Landeskrankenhaus Feldkirch

Derzeit leben in Österreich etwa 300.000 Menschen mit Diabetes mellitus. Über 90% davon haben den sogenannten Diabetes Typ II oder Altersdiabetes. Folgeschäden dieser Erkrankung betreffen einerseits die großen Gefäße (Makroangiopathie, Atherosklerose) mit Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine, andererseits die kleinen Gefäße (Mikroangiopathie) mit Schädigung der Nieren, Augen und Nerven. Der wichtigste Test zur Früherkennung einer diabetischen Nephropathie ist die Bestimmung von Albumin im Harn. Dieser Test sollte bei allen Patient/innen jährlich erfolgen. Der Test ist bei etwa einem Viertel der Patient/innen nach 10 Jahren Diabetesdauer positiv. Unbehandelt nimmt die Eiweißausscheidung im Harn weiter zu, die Nierenfunktion verschlechtert sich und innerhalb weniger Jahre bis zur Notwendigkeit der Dialyse. Neben diesem klassischen Verlauf finden sich zunehmend Patient/innen mit einer Nierenschädigung durch Diabetes ohne Eiweißaussscheidung im Harn, bei denen offensichtlich die Schädigung der größeren Nierengefäße durch Atherosklerose im Vordergrund steht.

Lässt sich nun eine diabetische Nierenschädigung verhindern oder verzögern?

Besonders in der Frühphase, unmittelbar nach Diagnosestellung, macht sich eine gute Blutzuckereinstellung bezahlt. Sie verringert das Auftreten einer Albuminurie um etwa 10 %. Dieser positive Effekt dauert über viele Jahre an. Einen besonders günstigen Effekt scheint dabei das Medikament Metformin zu haben. Ist es bereits zu einer Nierenschädigung gekommen, kann deren Fortschreiten kaum mehr durch gute Blutzuckerkontrolle beeinflusst werden. Ähnlich verhält es sich mit der Blutdrucktherapie. Als Mittel der Wahl gelten dabei die sogenannten ACE-Hemmer und Angiotensinrezeptorblocker, die vor allem den Blutdruck in der Niere senken. Diese Medikamente sind am wirksamsten bei Diabetiker/innen mit hohem Blutdruck ohne Albuminurie, bei denen sie das Auftreten der Albuminurie verhindern können, und bei solchen mit einer geringen Albuminurie, bei denen sie die Zunahme der Albuminausscheidung günstig beeinflussen. Ist es bereits zu einer schweren Schädigung mit Verschlechterung der Nierenfunktion gekommen, haben auch diese Medikamente nur mehr eine eher geringe Wirkung auf den Verlauf der Nierenerkrankung. Sie können aber das Auftreten von Komplikationen am Gefäßsystem verhindern. Der Zielblutdruck für Patient/innen mit Diabetes wird heute mit 140/90 angegeben. Eine zu aggressive Blutdrucksenkung kann aber zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen führen, vor allem bei Patienten mit bekannter Atherosklerose. Gerade für diese Patientengruppe ist auch eine Senkung von erhöhtem Cholesterin und die Gabe von Aspirin notwendig, um das Fortschreiten dieser Erkrankung zu verhindern. Alle Patient/innen mit Diabetes sollten auch auf das Rauchen verzichten.

Erste Erfolge dieser Therapiemaßnahmen lassen sich aus dem Österreichischen Dialyse- und Transplantationsregister ablesen. Immer noch sind die diabetische Nephropathie mit 26% und die vaskuläre Nephropathie mit 22% (viele dieser Patient/innen dürften auch einen Diabetes haben) die häufigsten Ursachen des Nierenversagens. Dennoch ist die Zahl der neuen Dialysepatien/innen pro Jahr seit 2006 leicht rückläufig. Dieser Rückgang beruht vor allem auf einer Abnahme der diabetischen und vaskulären Nephropathie um etwa 25%, und das, obwohl die Zahl der Menschen, die an Diabetes leiden, weiter ansteigt. Diese Ergebnisse sollen ermutigen, den Weg der Früherkennung von Diabetes und diabetischer Nierenschädigung mit rechtzeitiger und konsequenter Therapie fortzusetzen. (VNT 7.3.2013)

Link:

Landeskrankenhaus Feldkirch, Abteilung Nephrologie und Dialyse