Geschichte der Transplantationschirurgie

Seit jeher übt die Transplation von Organen und Geweben eine starke Faszination auf die Menschen aus. Aus verschiedenen Kulturkreisen gibt es solche Geschichten die eine Transplantation beschreiben. Der älteste Bericht,eine hinduistische Mythologie, stammt aus dem 12.Jahrhundert vor Christus und beschreibt wie Ganesha der Kopf eines Elefanten transplantiert wurde. Aus dem China des 3.Jahrhunderts vor Christus wird berichtet wie der Arzt Pien Ch’iao Herzen zwischen zwei Menschen austauschte. Die katholischen Schutzpatrone der Pharmazie St.Cosmos und St.Damian sollen im 3. Jahrhundert nach Chistus das Bein eines verstorbenen Mooren auf einen weissen Mann transplantiert haben.

Die ersten dokumentierten Transplantationen fanden im 19. Jahrhundert statt, hauptsächlich wurden Hauttransplantationen durchgeführt

Die ersten dokumentierten Transplantationen fanden im 19. Jahrhundert statt, hauptsächlich wurden Hauttransplantationen durchgeführt

Die ersten dokumentierten Transplantationen fanden im 19. Jahrhundert statt, hauptsächlich wurden Hauttransplantationen durchgeführt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickeln sich, in nur 60 Jahren auf dem Gebiet der Gefäßchirurgie, Antisepsis (Abtötung von Keimen) und Narkoseverfahren, die Voraussetzungen zur Transplantation von Organen in großen Schritten.
1902

Der österreichische Chirurg H. Ullman aus Wien führt die erste Nierentransplantation an einem Hund durch, die als technisch gelungen bezeichnet wird. Er pflanzte die Niere im Nackenbereich des Hundes und führte den Ureter (Harnleiter) durch die Haut nach aussen um die Harnproduktion dokumentieren zu können, die Urinproduktion funktionierte fünf Tage.

1906

Erste Versuche der Nierentransplantation vom Tier auf den Menschen durch Dr. Mathieu Jaboulay, Lyon, leider scheiterten diese Operationen.

1912

Der Franzose Alexis Carrel erhielt 1912 den Nobelpreis ‚In Anerkennung seiner Arbeit über die Gefäßnaht und die Transplantation von Blutgefäßen und Organen‘ -und das heißt: er entwickelte die grundlegenden Techniken dessen, was wir heute Gefäßchirurgie nennen.
Er zeigte unter anderem, daß man Organe transplantieren kann, und wie man abgetrennte Glieder replantiert, gleichzeitig erahnte er damals schon die Probleme von heute wie etwa Abstoßungsreaktionen, Verfügbarkeit und Konservierung von Fremdorganen und vieles mehr.

1930

Karl Landsteiner erhält den Nobelpreis für Medizin und Physiologie für die Entdeckung der Blutgruppen.

1933

Erste Nierentransplantation von einem verstorbenen Spender durch Dr. Yu Yu Voronoy, Kiew. Die Empfängerin überlebt 4 Tage, wobei die Spenderniere zu keinen Zeitpunkt funktionierte.

1944

Der britische Zoologe Sir Brian Medawar war es, der als erster die immunologischen Grundlagen der Abstoßung von fremden Gewebes beschrieb. 1960 erhielt Peter Brian Medawar (1915-1987), Großbritannien „für die Entdeckung der erworbenen immunologischen Toleranz“ den Nobelpreis.

1952

Anwendung moderner Medizintechnik: künstliche Beatmung und die externe Herzmassage hat zur Folge, dass Patienten einen Herz- oder Atemstillstand überleben können.

1952

Erste Nierentransplantation durch Professor Hamburger in Paris von einem Lebendspender (Mutter auf Kind), leider nur mit vorübergehendem Erfolg.

1954

Dr. Joseph Murray, Boston führt die erste als „erfolgreich“ bezeichnete Nierentransplantation am 23.12.1954 durch. Die Organverpflanzung erfolgt zwischen eineiigen Zwillingen also gewebeidentischen Menschen (Isotransplantation).

1958

Entdeckung des HLA-Systems (Human Leukocyte Antigen-System) durch Prof. Dausset, Paris – mit seiner Hilfe unterscheidet das Immunsystem anhand spezifischer, ererbter Merkmale zwischen fremdem Gewebe und eigenem. In den folgenden Jahren wurde immer klarer, dass sich durch die Unterdückung des Immunsystems die Transplantabstossung verhindern lässt.

1959

Erste erfolgreiche Verwandtentransplation in Boston (Merril) und Paris (Hamburger) zwischen zweieiigen, also genetisch unterschiedlichen Zwilligen. Mit Hilfe von Bestrahlungen gelang es die Abstoßung zu begrenzen. Beide Patienten lebten noch 20, bzw. 26 Jahre

1959

Zwei französische Ärzte (Molaret und Goulon) beschreiben erstmals den Zustand des irreversiblen Komas, bei dem das Gehirn durch Sauerstoffmangel irreversibel zerstört wird und bezeichnen diesen Zustand als „Coma depassé“.

1963

Der amerikanische Chirurg Thomas E. Starzl, Denver führte nach über 200 Tierexperimenten die ersten drei Lebertransplantation an Menschen durch. Der erste Patient starb noch während der Operation, der zweite nach siebeneinhalb und der dritte nach 22 Tagen.

1964

Erste erfolgreiche Nierentransplantation von Mutter auf Tochter in Deutschland durch Borsig und Nagel in Berlin.

1964

Übertragung von Nieren und Herzen von Schimpansen auf Menschen durch Oscar Creech und Keith Reemtsma. Das mehrmonatige Überleben einzelner Patienten liess vermuten, dass auch die Übertragung von Organen zwischen verschiedenen Spezies (Xenontransplantation) bei entsprechender Weiterentwicklung der Immunsupressiva möglich wäre. Im gleichen Jahr versucht Thomas Starzl Paviannieren auf Menschen in aussichtloser Lage zu übertragen, allerdings misslingen die Operationen.

1966

Weltweit erste erfolgreiche Pankreastransplantation durch Dr. R. Lillehei, Minneapolis, die Erfolge hinsichtlich der Organfunktionen waren von Beginn an vielversprechend, aber auch hier musste vor allen an chirugischen und immunologischen Details gefeilt werden

1967

Nach mehreren erfolglosen Versuchen gelingt Dr. Thomas Starzl in Pittsburgh die erste als „erfolgreich“ bezeichnete Lebertransplantation am Menschen.

1967

Prof.Christian Barnard führt am 3. Dezember 1967 in Kapstadt (Südafrika) die erste Herztransplantation durch.

1967

Gründung von Eurotransplat durch van Rood in Leiden, der in einer Studie nachweisen konnten das die HLA Übereinstimmung bedeutenden Einfluss auf die Überlebenszeit des Transplantierten und die Annahme des neuen Organes hat.

1968

Einen Meilenstein in der Geschichte der Transplantationsmedizin stellt im Jahr 1968 der „Report of the Ad Hoc Committee of Harvard Medical School Examine the of Brain Death“ dar, in dem die Anerkennung des irreversiblen Komas als neue Definition des Todes befürwortet wird.

1970

Durch die Entdeckung von Pilzkulturen (Cyclosporine), in Bodenproben aus der Hardangger-Region, auf der Suche nach neuen Antibiotika, begann eine neue Ära der Transplantationsforschung. Einen Stamm davon schickte man zu Sandoz nach Basel, dem Leiter der Abteilung, Jean-Francois Borel fiel auf, dass diese neue Substanz die Eigenschaft hatte Lymphozytenkulturen zu hemmen.

1976

Man fand heraus, dass die Lymphozytenhemmung etwa 300 Mal stärker war als die gegen andere Zelllienien, diese neuen Erkenntnisse wurden nun publiziert. Nach dieser Veröffentlichung wurden ersten Proben nach Cambridge zu Roy Calne geschickt, um sie im Tierversuch zu testen. Die ersten Ergebnisse waren äussert erfolgversprechend, das veranlasste Calne zur Empfehlung Cyclosporin A alsbald zur Immununterdrückung bei menschlichen Transplantationen zu testen.

1978

Erster klinischer Einsatz von Ciclsporin in England, in Deutschland wurde Ciclosporin erst im Jahr 1983 zugelassen. Ab 1983 war Ciclsporin A fester Bestandteil in der der Transplantationsmedizin, die Überlebensraten verbesserten sich radikal. Bereits 1989 konnte man die 100.000ste Nierentransplantation am Menschen feiern.

1984

Xenotransplantation eines Pavianherzens auf ein Kleinkind „Baby Fae“ durch Dr. L.Bailey, Kalifornien, USA. Das Kind stirbt 14 Tage später nach einer Abstossung, dadurch wurde eine heftige Diskussion über die Xenotransplantation ausgelöst.

1989

Erste Multi-Organ-Transplantation durch Prof. R. Margreiter, Universitätsklinik Innsbruck, Österreich.

1990

Erste klinische Erfahrungen (Starzl, USA) mit FK 506 bei Nierentransplantatioen, dieses Medikament wird 1995 als Prograt® in Deutschland zugelassen

1992

Lebertransplantation vom Pavian (Xenotransplantation) auf den Menschen. Der Empfänger stirbt nach 2 Monaten an einer Hirnblutung (Dr. T. Starzl, USA).

1998

Erste Handtransplantation in Lyon (Frankreich) werden in einer 13-stündigen Operation unter Leitung von Prof. Jean-Michel Dubemard erstmals Hand und Vorderarm eines toten Spenders transplantiert.

2002

Erste Transplantation einer Gebärmutter wurde in Saudi Arabien vorgenommen. Einer 26-jährigen Frau wurde der Uterus einer 46-Jährigen eingesetzt.