Transplantation: Leber ohne Körper am Leben erhalten

Eine neue Technologie macht es erstmals möglich, dass eine Spenderleber auch außerhalb des Körpers durchblutet und für 24 Stunden konserviert werden kann

(VNT/APA). Innsbruck – Es klingt ein bisschen nach Science Fiction, die in der Gegenwart angekommen ist: Das vollautomatische Lebertransport- und Perfusionsgerät „Metra“ soll eine Konservierung der Spenderleber außerhalb des Körpers auf Körpertemperatur zunächst für 24 Stunden ermöglichen. Damit soll die Funktion von Spenderlebern außerhalb des Körpers für möglichst lange Zeit aufrechterhalten und im Detail getestet werden können.

„Damit können wir in Zukunft viel mehr Organe transplantieren“, sagte Peter Friend, der Direktor des Transplantationszentrums in Oxford und Metra-Entwickler am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

„Wir können jetzt Organe für eine Transplantation verwenden, die wir bisher nicht genommen hätten“, sprach Friend einen Vorteil des neuen Geräts an. „Das liegt vor allem daran, dass wir sie jetzt mit ‚Metra‘ in einer Weise testen können, wie wir es bisher nicht konnten“, so Friend weiter.

Organ soll nichts merken

„Mit dieser Maschine ist es möglich, dass wir auch sogenannte marginale Organe nach ganz bestimmten Kriterien verwenden“, sagte Dietmar Öfner-Velano, Direktor der Universitätsklinik für Visceral- Transplantations- und Thoraxchirurgie in Innsbruck. „Wir können die Funktion der Leber messen und beeinflussen. Es geht aber natürlich auch vornehmlich um das Lagern der Leber außerhalb des Körpers“, so Öfner-Velano.

„Das Organ soll gar nicht merken, dass es den Körper verlässt“, meinte in diesem Zusammenhang Annemarie Weißenbacher, Chirurgin am Transplantationszentrum Oxford. „Metra“ erzeugt für die Spenderleber ein ähnliches Umfeld wie im Körper. Die sogenannte „ex vivo Perfusion“ erfolgt auf Körpertemperatur.

Zudem wird keine künstliche Flüssigkeit, sondern Blut verwendet. „Sobald die Leber an das Gerät angeschlossen wird, funktioniert sie wie im Körper. Sie produziert Galle, verstoffwechselt Glucose und behält ihren physiologischen pH-Wert. Damit wird auch eine Qualitätskontrolle über die Funktion der Leber möglich“, erklärt Weißenbacher das Funktionsprinzip der Technologie.

Das Ziel: Vollversorgung

Von einem „Paradigmen-Wechsel“ sprach angesichts dieser neuen Methode der Leiter der Transplantationschirurgie Innsbruck, Stefan Schneeberger. „Bisher haben wir die Organe zur Lagerung gekühlt, jetzt halten wir sie in einem physiologischen Zustand auf Körpertemperatur“, so Schneeberger.

„Bisher war die Zeitspanne zwischen Entnahme und Transplantation eine Akutsituation und durfte höchstes sechs bis zwölf Stunden dauern“, führte der Chirurg aus. Die nunmehr auf 24 Stunden verlängerte Zeitspanne sei „wertvoll und ein echter Fortschritt.“

Als Ziel, dem man auch mit dem neuen Gerät näher kommen will, nannte Schneeberger die „Vollversorgung der Bevölkerung mit Organen“. Die Universitätsklinken in Innsbruck werden dabei eines der ersten Zentren weltweit sein, die das neue Gerät in Betrieb nehmen.

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